Paketdienst entsorgt Retouren: Was Händler dagegen tun können

Paket mit Versandlabel als Symbol für Probleme bei der Retourenzustellung

Ein Händler berichtet von einem Problem, das sich über Monate zieht: Rücksendungen von Kunden werden vom Zusteller entweder in den Müll geworfen oder unbeaufsichtigt vor der Halle abgestellt, wenn niemand da ist. Auf Beschwerden folgt jedes Mal dieselbe Standardantwort, die Fahrer wechseln ständig, eine Verständigung ist schwierig.

Warum das rechtlich Ihr Problem ist

Der unangenehme Teil zuerst: Geht eine Retoure auf dem Rückweg verloren, trägt in aller Regel der Händler den Schaden gegenüber dem Kunden. Hat dieser die Ware nachweislich abgesendet, ist sein Widerruf wirksam und die Erstattung fällig, unabhängig davon, ob die Ware ankommt.

Der Anspruch gegen den Zusteller ist dann ein zweiter, getrennter Vorgang. Und genau dort wird es mühsam, weil der Vertrag über die Rücksendung häufig zwischen Kunde und Dienstleister besteht, nicht zwischen Händler und Dienstleister.

Was tatsächlich hilft

Empfangssituation ändern. Ein unbeaufsichtigtes Abstellen ist meist die Folge davon, dass niemand angetroffen wird. Eine feste, verbindliche Annahmezeit, eine klar beschilderte Warenannahme und eine Klingel, die auch gehört wird, lösen einen erheblichen Teil der Fälle. Wo möglich, hilft ein abschließbarer Paketkasten oder ein Depot beim Nachbarbetrieb.

Dokumentieren statt beschweren. Eine Kamera an der Warenannahme ist keine Schikane, sondern Beweissicherung. Wichtig ist die datenschutzkonforme Ausgestaltung: Die Kamera darf nur den eigenen Zugangsbereich erfassen, nicht öffentliche Wege, ein Hinweisschild ist Pflicht, und Aufnahmen sind nach kurzer Frist zu löschen. Wo Beschäftigte erfasst werden, ist der Betriebsrat zu beteiligen.

Systematisch eskalieren. Einzelbeschwerden über die Hotline versanden. Wirksamer ist eine gesammelte Aufstellung über mehrere Wochen mit Datum, Sendungsnummer, Schadenshöhe und Fotobeleg, gerichtet an das Beschwerdemanagement statt an den allgemeinen Kundenservice.

Die unbequeme Alternative

Aus dem Erfahrungsaustausch kommt eine Antwort, die kurz und deutlich ausfällt: Wenn ein Dienstleister das Problem über Monate nicht abstellt, bleibt nur, ihn nicht mehr zu verwenden, weder für Hin- noch für Rücksendungen.

Es gibt dafür eigentlich nur eine Lösung: den Dienstleister nicht verwenden. Nicht für Hinsendungen, nicht für Rücksendungen, einfach gar nicht.
Kommentar eines Händlers, mit deutlicher Zustimmung aus der Runde

Praktisch heißt das für Retouren: Wenn Sie das Retourenlabel stellen, bestimmen Sie den Dienstleister. Diese Wahl ist ein echter Hebel und kostet nichts außer der Umstellung im Retourenportal. Nur wenn Kunden ihr eigenes Label erstellen, haben Sie keinen Einfluss.

Was die Kalkulation dazu sagt

Ein günstigerer Rücksendetarif rechnet sich nicht, wenn regelmäßig Ware verschwindet. Bei einer Verlustquote von zwei Prozent und einem durchschnittlichen Warenwert von 40 Euro entstehen pro hundert Retouren 80 Euro Schaden. Ein Anbieter, der pro Sendung fünfzig Cent teurer ist, kostet bei hundert Retouren 50 Euro. Die Rechnung geht also klar zugunsten des zuverlässigeren Anbieters aus.

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