Payment Testing im eigenen Shop: Wenn Betrüger Zahlungsdaten auf Kosten des Händlers testen

Ein Händler beobachtete plötzlich im Minutentakt eingehende Bestellungen über denselben Artikel, zunächst über einen Marktplatz, kurz darauf auch im eigenen Onlineshop. Sämtliche Zahlungen liefen über Gastkonten ohne verifizierte Zahlungskonten, versehen mit dem Hinweis auf einen unverifizierten Absender außerhalb des Inlands. Kurz darauf eröffneten dieselben vermeintlichen Käufer Konfliktfälle, obwohl keine Ware versandt worden war.

Nach Rücksprache mit dem Zahlungsdienstleister deutete alles auf sogenanntes Payment Testing hin: Betrüger nutzen fremde Shops, um in schneller Folge zu prüfen, welche gestohlenen Kreditkarten- oder Zugangsdaten noch funktionieren. Der Shop dient dabei lediglich als Testumgebung, ein tatsächliches Kaufinteresse besteht nicht.

Für betroffene Händler entstehen dabei mehrere Probleme gleichzeitig: Transaktionsgebühren für stornierte Zahlungen, Bearbeitungsaufwand für die eröffneten Konfliktfälle, und im ungünstigsten Fall eine erhöhte Risikobewertung des eigenen Händlerkontos durch den Zahlungsdienstleister aufgrund der auffälligen Häufung.

Als Sofortmaßnahmen bewährt haben sich das Deaktivieren des betroffenen, meist besonders günstigen Artikels, das Sperren von Gastzahlungen ohne verifiziertes Konto sowie eine unverzügliche Meldung sämtlicher Vorgänge an den Zahlungsdienstleister, um die eigene Rolle als Geschädigter zu dokumentieren.

Präventiv helfen eine Begrenzung der zulässigen Bestellungen pro Zeiteinheit und IP-Adresse, ein Mindestbestellwert oder eine zusätzliche Verifizierung bei auffälligen Bestellmustern sowie eine automatische Benachrichtigung bei ungewöhnlich hoher Bestellfrequenz auf einen einzelnen Artikel. Gerade sehr günstige Artikel eignen sich für Betrüger besonders gut als Testobjekt und sollten deshalb besonders aufmerksam beobachtet werden.