Ein Händler berichtet von einer geschäftlichen Kontaktaufnahme per Mail, die ihm merkwürdig vorkommt, obwohl der Absender über eine eigene Webseite, einen Google-Eintrag und sogar Mitarbeiterprofile auf LinkedIn verfügt. Seine berechtigte Unsicherheit: Sind solche äußeren Zeichen von Seriosität heute überhaupt noch aussagekräftig, wenn sich all das mit vertretbarem Aufwand fälschen lässt.
Warum digitale Fassaden heute wenig beweisen
Eine funktionierende Webseite, ein Unternehmenseintrag oder einzelne Profile auf Karrierenetzwerken lassen sich mit überschaubarem Aufwand erstellen und wirken auf den ersten Blick professionell. Diese äußeren Merkmale waren früher ein brauchbarer erster Anhaltspunkt für Seriosität, sind es angesichts leicht verfügbarer Werkzeuge zur Erstellung solcher Fassaden heute aber nur noch eingeschränkt.
Typische Muster, auf die sich der Blick lohnt
Bei der Einordnung einer unerwarteten Geschäftsanfrage lohnt sich der Blick auf wiederkehrende Muster: ungewöhnlich attraktive Konditionen ohne nachvollziehbaren Grund, Zeitdruck zur schnellen Entscheidung, die Bitte um Vorleistungen oder Zahlungen vor Lieferung einer Gegenleistung, sowie Kontaktdaten, die sich nicht unabhängig von der ursprünglichen Nachricht verifizieren lassen. Kein einzelnes dieser Merkmale beweist für sich genommen einen Betrugsversuch, in Kombination sollten sie aber zu erhöhter Vorsicht führen.
Ein Internetauftritt, ein Google-Eintrag und Mitarbeiterprofile auf LinkedIn wirken zunächst seriös, all das lässt sich heute aber relativ einfach nachbilden, ohne dass ein echtes Unternehmen dahintersteht.
Kommentar eines Händlers zur Einordnung der eigenen Anfrage
Ein einfacher Verifizierungsschritt mit hoher Wirkung
Ein besonders wirksamer, wenig aufwendiger Schritt ist der Rückruf über eine selbst recherchierte, unabhängig gefundene Telefonnummer, statt eine in der Nachricht angegebene Nummer zu nutzen. Ebenso hilft ein Blick in öffentliche Handelsregister, ob das genannte Unternehmen tatsächlich unter dem angegebenen Namen und an der angegebenen Adresse eingetragen ist. Beide Schritte kosten wenige Minuten, entlarven aber viele unseriöse Anfragen zuverlässig.
Was praktisch weiterhilft
- Kontaktdaten unabhängig recherchieren, nicht aus der Nachricht übernehmen. Ein Rückruf über eine selbst gefundene Nummer ist ein einfacher, wirksamer Check.
- Handelsregistereintrag prüfen. Ein öffentlich einsehbares, plausibles Register-Ergebnis erhöht die Glaubwürdigkeit deutlich.
- Auf Zeitdruck und Vorleistungsforderungen besonders achten. Beides sind klassische Warnsignale unabhängig von der Branche.
- Im Zweifel im eigenen Netzwerk nachfragen. Andere Händler haben verdächtige Anfragen oft schon einmal ähnlich erlebt.