Eine online bei einem großen Elektronikhändler aufgegebene Bestellung traf beim Kunden bereits eine knappe Stunde später ein, ausgeliefert über einen Fahrdienst statt über einen klassischen Paketdienstleister, inklusive einer Live-Karte zur Verfolgung des Fahrzeugs anstelle einer klassischen Sendungsverfolgung. Die Versandkosten dafür lagen bei unter sechs Euro.
Für Kunden, die solche Liefergeschwindigkeiten einmal erlebt haben, dürfte die Erwartungshaltung an den restlichen Onlinehandel spürbar steigen. Wer als kleinerer Händler weiterhin auf klassische, mehrtägige Versandwege setzt, wirkt im direkten Vergleich schnell alt und langsam, selbst wenn die eigene Lieferzeit objektiv im branchenüblichen Rahmen liegt.
Realistisch betrachtet lässt sich ein solches Same-Day-Modell mit Fahrdiensten für die meisten kleineren Online-Händler kurzfristig kaum wirtschaftlich abbilden, insbesondere außerhalb großer Ballungsräume. Dennoch lohnt sich die grundsätzliche Auseinandersetzung mit der Frage, wo im eigenen Liefergebiet schnellere Optionen sinnvoll und wirtschaftlich darstellbar wären.
Für Händler mit lokalem oder regionalem Kundenstamm kann sich zumindest die Prüfung lokaler Fahrdienste oder spezialisierter Same-Day-Anbieter für ausgewählte, hochpreisige oder eilige Bestellungen lohnen, um in bestimmten Fällen ein vergleichbares Erlebnis anbieten zu können, ohne die komplette Logistik umzustellen.
Wichtiger als eine sofortige eigene Same-Day-Lösung ist zunächst die realistische Einschätzung der eigenen Zielgruppe: Wo tatsächlich Geschwindigkeit kaufentscheidend ist und wo andere Faktoren wie Beratung, Sortimentstiefe oder Preis überwiegen, sollte die eigene Versandstrategie leiten, statt jedem neuen Geschwindigkeitsrekord der Branche hinterherzulaufen.