Manche Kosten stehen in keiner offiziellen Gebührenübersicht und tauchen trotzdem regelmäßig auf.
Ein typisches Beispiel ist die Anlieferung per Partnerspedition auf Europaletten an ein Fulfillment Zentrum. Werden die Paletten dort nicht zurückgegeben, findet häufig auch kein Palettentausch durch die Spedition statt.
Die Folge:
Jede Palette, die das Lager verlässt, ist eine verlorene Kostenposition.
Pro einzelner Lieferung wirkt der Betrag oft überschaubar. Über viele Sendungen hinweg entsteht daraus jedoch eine relevante Summe.
Eine typische versteckte Kostenart im Onlinehandel
Der Palettenverlust zeigt ein grundsätzliches Problem vieler Fulfillment Prozesse:
- Die Kosten entstehen bei einzelnen Vorgängen
- Sie erscheinen nicht immer transparent in Abrechnungen
- Sie werden selten separat kalkuliert
Genau diese kleinen Nebenkosten entscheiden bei vielen Produkten darüber, ob eine Marge tatsächlich vorhanden ist oder nur auf dem Papier existiert.
Der tatsächliche Wert einer verlorenen Palette
Die häufig genannten hohen Beträge pro Palette werden in der Praxis oft überschätzt.
Ein neuer oder hochwertiger Palettentausch kann deutlich teurer sein. Gebrauchte Europaletten liegen je nach Zustand und Region häufig deutlich darunter.
Die wichtigste Erkenntnis daraus:
Die beste Lösung ist oft nicht, die perfekte Palette zu finden, sondern die richtige Palette für den Zweck einzusetzen.
Für Fulfillment Anlieferungen eignen sich häufig Paletten, die:
- noch stabil genug für den Transport sind
- aber keinen hohen Tauschwert mehr besitzen
- nicht mehr für andere Logistikprozesse benötigt werden
Damit reduziert sich der Verlust pro Sendung deutlich.
Die Alternativen im Realitätscheck
Einwegpaletten verwenden
Auf den ersten Blick klingt eine günstige Einweglösung sinnvoll.
In der Praxis kann es jedoch problematisch werden, wenn Anlieferbedingungen bestimmte Ladungsträger voraussetzen.
Eine abgelehnte Lieferung verursacht schnell deutlich höhere Kosten als eine verlorene Palette:
- zusätzliche Transportkosten
- Terminverschiebungen
- operative Verzögerungen
Vor der Umstellung sollte deshalb immer geprüft werden, welche Palettenarten tatsächlich akzeptiert werden.
Palettenpool Systeme nutzen
Technisch ist ein Palettenpool möglich.
Bei kleinen Versandmengen lohnt sich der organisatorische Aufwand jedoch häufig nicht:
- zusätzliche Verwaltung
- Abstimmungen
- geringer Nutzen bei wenigen Paletten pro Lieferung
Für größere Volumen kann eine solche Lösung trotzdem sinnvoll sein.
Auf Kartonbasis liefern
Ein oft unterschätzter Ansatz:
Nicht jede Ware muss zwingend auf Palette angeliefert werden.
Wenn Produkte keine Übergröße haben, kann eine Kartonanlieferung wirtschaftlich günstiger sein als Palettenversand inklusive Ladungsträgerverlust.
Die richtige Frage lautet deshalb nicht:
Wie spare ich bei der Palette?
Sondern:
Ist die Palette für dieses Produkt überhaupt der wirtschaftlichste Transportweg?
Kosten einplanen und akzeptieren
Manche Kosten lassen sich nicht vermeiden.
Dann gehört die Position sauber in die Kalkulation.
Ein Kostenfaktor, der bewusst eingerechnet wird, ist kein Problem. Ein Kostenfaktor, der unsichtbar bleibt, wird zum Risiko.
Der Schritt, den viele Unternehmen überspringen
Bevor Prozesse verändert werden, sollten die Anlieferbedingungen vollständig geprüft werden.
Dort stehen häufig wichtige Anforderungen zu:
- zulässigen Palettenarten
- Stapelhöhen
- Kennzeichnung
- Ladungssicherung
- Verpackungsvorgaben
Wer diese Vorgaben kennt, verhindert Fehler, die deutlich teurer sind als eine einzelne Palette.
Der Palettenverlust ist nur ein Beispiel
Die gleiche Logik gilt für viele andere versteckte Fulfillment Kosten:
- verlorene Ladungsträger
- nicht erstattete Transportschäden
- zusätzliche Retourenkosten
- Material für Etikettierung und Umverpackung
- interne Arbeitszeit für Vorbereitung und Kontrolle
Jede einzelne Position wirkt klein. In der Summe können daraus jedoch mehrere Prozentpunkte des Umsatzes entstehen.
So bekommen Sie echte Transparenz
Führen Sie für Fulfillment Nebenkosten ein eigenes Sammelkonto oder eine separate Kostenkategorie ein.
Erfassen Sie beispielsweise:
- Paletten und Ladungsträger
- Verpackungsmaterial
- Frachtdifferenzen
- Nacharbeiten
- zusätzliche Servicekosten
Nach einigen Monaten entsteht erstmals ein realistisches Bild der tatsächlichen Kosten.
Dann lassen sich wichtige Fragen beantworten:
- Lohnt sich das Fulfillment Modell für dieses Produkt noch?
- Welche Produkte tragen die zusätzlichen Kosten?
- Ab welcher Sendungsgröße verändert sich die Wirtschaftlichkeit?
Die sinnvollste Reihenfolge
- Anlieferbedingungen prüfen und Fehler vermeiden
- Kartonbasierte Lieferung prüfen, wenn keine Palette notwendig ist
- Geeignete Paletten für den Prozess auswählen
- Nebenkosten separat erfassen
- Nicht vermeidbare Kosten sauber einkalkulieren
Fazit
Die verlorene Palette ist nicht das eigentliche Problem.
Das Problem ist, dass viele kleine Fulfillment Kosten unsichtbar bleiben.
Ein Kostenblock, den Sie nicht messen, können Sie weder optimieren noch verhandeln.
Der erste Schritt ist deshalb nicht die Kostenreduzierung, sondern die vollständige Erfassung aller Nebenkosten.