Seit Mai 2026 stellt Amazon in der Tax Document Library neben den gewohnten PDF-Belegen zusätzlich eine CSV-Datei bereit, die die Gebühren auf Einzeltransaktionsebene aufschlüsselt. Was zunächst nach mehr Transparenz klingt, hat bei genauerer Prüfung ein ernstes Problem offenbart.
Ein Abgleich der bereitgestellten CSV-Dateien mit den tatsächlich abgewickelten Bestellungen zeigt bei mehreren Händlern deutliche Differenzen. In einem dokumentierten Fall gehörten von 4.336 in der CSV-Datei aufgeführten Bestellnummern rund 520 gar nicht zum betroffenen Verkäuferkonto, was einer Quote von etwa zwölf Prozent entspricht. Bei anderen geprüften Konten lagen die Werte teils noch höher.
Auf Nachfrage bei Amazon erhielt ein betroffener Händler lediglich die Auskunft, die entsprechenden Bestellungen gehörten nicht zu seinem Verkäuferkonto, ohne dass auf das eigentliche Problem der fehlerhaften Belege eingegangen wurde. Der Fall wurde daraufhin geschlossen.
Positiv ist immerhin, dass die fälschlich zugeordneten Gebühren bislang nicht in den tatsächlichen Settlement Reports und damit nicht in der realen Kontoabrechnung aufzutauchen scheinen. Es handelt sich nach aktuellem Kenntnisstand vor allem um fehlerhafte Belege und Anhänge, nicht um tatsächlich abgebuchte Beträge.
Für die eigene Buchführung bedeutet das trotzdem: Wer die CSV-Dateien aus der Tax Document Library ungeprüft an die Steuerberatung weiterreicht, riskiert falsche Zuordnungen in der Buchhaltung. Ein Abgleich der enthaltenen Bestellnummern mit den eigenen Order- und Settlement Reports ist derzeit dringend zu empfehlen, bevor die Daten weiterverarbeitet werden.