Als das Hamburger Gewürz-Startup Ankerkraut im Jahr 2022 an den Konzern Nestlé verkauft wurde, sorgte das für erheblichen Gegenwind. Zahlreiche Influencer distanzierten sich öffentlich, viele Kunden reagierten enttäuscht, und die Marke verlor über Nacht einen guten Teil ihres sympathischen Underdog-Images.
Vier Jahre später folgt nun die überraschende Wendung: Die Gründer Anne und Stefan Lemcke haben Ankerkraut zurückgekauft und wollen künftig wieder eigenständig agieren, flexibler werden und an die ursprünglichen unternehmerischen Wurzeln der Marke anknüpfen.
Für andere Gründerinnen und Gründer, die über einen Verkauf ihres Unternehmens nachdenken, zeigt der Fall exemplarisch, wie stark ein Eigentümerwechsel die Wahrnehmung einer Marke bei der eigenen Kernzielgruppe beeinflussen kann, selbst wenn sich am Produkt selbst wenig ändert.
Der Rückkauf wirft gleichzeitig eine interessante Frage für das eigene Marketing auf: Wie glaubwürdig lässt sich eine ursprüngliche Markenidentität nach einem solchen Hin und Her wiederherstellen, und welche Rolle spielen dabei die Stimmen aus der Community, die sich zwischenzeitlich abgewendet haben.
Für kleinere Marken, die über strategische Partnerschaften oder einen Verkauf nachdenken, lohnt sich der Blick auf solche Fälle, um vorab abzuwägen, welche langfristigen Reputationsrisiken mit einer Übernahme durch einen großen Konzern verbunden sein können und wie sich diese im Vorfeld kommunikativ abfedern lassen.