In der Unternehmensführung unterscheidet man zwei grundlegende Strategien: das Nutzen bekannter Muster zur Steigerung der Treffsicherheit und das bewusste Erforschen unbekannter Wege. In der Natur zeigt sich dieses Prinzip bei Bienen. Der Großteil des Schwarms nutzt eingespielte Routen zu bekannten Futterquellen. Etwa zwanzig Prozent der Bienen fliegen jedoch völlig ungeplant in beliebige Richtungen. Würden alle Bienen diszipliniert nur den bekannten Pfaden folgen, würde das gesamte Volk verhungern, sobald die bekannte Quelle versiegt.
Die Überoptimierungs-Falle
Viele E-Commerce-Marken befinden sich genau in dieser Falle. Sie optimieren bestehende Funktionalitäten bis aufs Äußerste, orientieren sich starr an den Best Practices der Konkurrenz und führen ausschließlich A/B-Tests durch, die sichere, kleine Steigerungen versprechen. Das führt zu einer gefährlichen Angleichung im Markt. Wenn alle Shops dieselben Templates, dieselben Checkout-Abläufe und dieselben Werbestrategien nutzen, geht jede Differenzierung verloren.
Budget für das Unerwartete reservieren
Umsatzsprünge entstehen nicht durch die zehnte Nuance einer Button-Farbe, sondern durch mutige Experimente abseits der Norm. Wer nur optimiert, nutzt bestehendes Potenzial ab. Wer hingegen einen Teil seines Budgets für unkonventionelle Marketingansätze reserviert, schafft die Voraussetzung für überdurchschnittliches Wachstum.
Das menschliche Gehirn filtert das Erwartbare heraus und reagiert nur auf Überraschungen. Shops, die sich trauen, den Kunden positiv zu überraschen, bauen eine emotionale Markenbindung auf, die kein Mitbewerber kopieren kann.