Unvollständige Adressen bei Amazon-Bestellungen: Wer die Konsequenzen trägt

Ein Händler ärgert sich über eine Bestellung, bei der nicht einmal eine Hausnummer im Adressfeld hinterlegt wurde, und fragt, warum eine so grundlegende Validierung technisch offenbar bis heute nicht zuverlässig funktioniert. Die Antworten aus der Runde liefern eine ernüchternde, aber nachvollziehbare Erklärung für dieses langjährige Problem.

Warum die Validierung technisch längst möglich wäre

Eine einfache Plausibilitätsprüfung, ob im Straßenfeld eine Zahl als Hausnummer enthalten ist, gehört technisch zu den am leichtesten umsetzbaren Validierungen überhaupt. Dass eine solche Prüfung bei einer Plattform dieser Größenordnung fehlt, liegt vermutlich weniger an technischer Unmöglichkeit als an einer bewussten Priorisierung: Eine zu strenge Validierung im Checkout erhöht das Risiko von Kaufabbrüchen, was aus Sicht der Plattform unerwünschter ist als gelegentliche Zustellprobleme durch unvollständige Adressen.

Wer im Ergebnis die Kosten unvollständiger Adressen trägt

Zustellprobleme durch unvollständige Adressdaten treffen in der Praxis überwiegend den Händler, der die zusätzliche Kommunikation mit dem Kunden, mögliche erneute Zustellversuche und im schlimmsten Fall eine als verspätet gewertete Sendung zu tragen hat. Die Plattform selbst trägt dieses Risiko in aller Regel nicht unmittelbar mit, was aus Händlerperspektive den fehlenden Anreiz zur strengeren Validierung zusätzlich erklärt.

Eine Bestellung zählt bereits, wenn sie übergeben wurde, unabhängig von der Adressqualität. Auf Kaufabbrüche durch strengere Validierung hat die Plattform keine Lust.
Kommentar eines Händlers zur fehlenden strengen Adressvalidierung

Was Händler selbst tun können

Da eine plattformseitige Lösung kurzfristig nicht zu erwarten ist, bleibt als praktikabelster Weg eine eigene, nachgelagerte Prüfung eingehender Bestellungen auf offensichtlich unvollständige Adressdaten vor dem Versand, verbunden mit einer proaktiven, freundlichen Kundenanfrage zur Vervollständigung. Das kostet zusätzlichen Aufwand, verhindert aber einen Großteil der daraus resultierenden Zustellprobleme, bevor sie überhaupt entstehen.

Was praktisch weiterhilft

  • Eingehende Adressen vor Versand automatisiert auf Plausibilität prüfen. Eine einfache Regel zur fehlenden Hausnummer lässt sich meist selbst im eigenen System ergänzen.
  • Bei Auffälligkeiten proaktiv beim Kunden nachfragen. Das verhindert Zustellprobleme, bevor die Sendung überhaupt verschickt wird.
  • Zustellprobleme durch unvollständige Adressen dokumentieren. Das kann bei Diskussionen über die Kennzahl pünktlicher Sendungen hilfreich sein.
  • Realistische Erwartung an die Plattform-Validierung haben. Der Zielkonflikt zwischen Konversion und Datenqualität dürfte kurzfristig nicht zugunsten strengerer Prüfung aufgelöst werden.

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