Zwei Fälle, die zeigen, wie wenig Spielraum es bei der Warenanlieferung an ein Marktplatzlager gibt.
Im ersten hatte ein Händler eine Sendung mit mehreren hundert Artikeln gebucht, Abholung direkt beim Hersteller über das Transportpartnerprogramm. Kurz vor der Abholung meldete der Hersteller, dass die Ware anders aufgeteilt wurde – es sind drei Paletten mehr als gebucht. Umpacken oder neu anlegen ging nicht mehr.
Im zweiten wurden Lieferungen an zwei Lagerstandorte komplett abgelehnt und gingen zurück, obwohl die zugrundeliegenden Bestellungen weiterhin bestanden.
Die Antworten aus der Runde enthalten drei Punkte, die man vorher wissen sollte.
Die kurze Antwort
Erstens: Die Zahl der Paletten ist selten das eigentliche Problem – Maße und Gewicht sind es. In der Diskussion wurde darauf hingewiesen, dass Paletten oberhalb einer bestimmten Höhe nicht angenommen werden und dass Gewichtsgrenzen gelten. Wer diese Vorgaben reißt, bekommt die Sendung zurück, egal wie sauber die Buchung war.
Zweitens: Der praktische Ablauf sollte umgekehrt sein, als viele ihn organisieren – erst die Paletten bauen, dann etikettieren. Wer zuerst bucht und beklebt und danach packt, bekommt genau das beschriebene Problem.
Drittens: Anlieferung direkt vom Hersteller ans Marktplatzlager klingt effizient und ist riskant. Der Einwand aus der Runde war deutlich: Wer selbst versendet, kann mit seinem Spediteur sprechen. Bei einer Streckenlieferung über ein fremdes Transportprogramm hast du im Fehlerfall niemanden – und die Frage, was passiert, wenn drei Paletten nicht gebucht sind und später nicht gefunden werden, beantwortet dir dann keiner.
Wenn die Anlieferung abgelehnt wird
Der zweite Fall ist der unangenehmere, weil er kaum lösbar ist. Die Erfahrungen aus der Runde:
- Eine erneute Zustellung an dasselbe Lager wird in der Regel nicht ermöglicht.
- Die zugrundeliegende Bestellung wird storniert und gegebenenfalls neu ausgelöst.
- Eine Umleitung an ein anderes Lager funktioniert nicht, weil die Standorte getrennt disponieren.
- Bleibt der Weg über den Support oder – falls vorhanden – über den persönlichen Ansprechpartner.
Das heißt praktisch: Du bekommst die Ware zurück, hast die Transportkosten in beide Richtungen getragen und stehst wieder am Anfang. Bei einer abgelehnten Palettenlieferung ist das ein vierstelliger Betrag, bevor überhaupt etwas verkauft wurde.
Und in Zeiten, in denen der Wareneingang großflächig eingeschränkt ist, hilft auch die beste Vorbereitung nicht – dann werden Sendungen bereits unterwegs zurückgeführt.
Was du vorher prüfen solltest
Die Vorgaben unterscheiden sich je nach Programm, Standort und Zeitpunkt und werden regelmäßig angepasst. Prüf sie deshalb in den aktuellen Vorgaben deines Kontos – aber prüf sie überhaupt:
- Maximale Höhe der Palette einschließlich Ladungsträger
- Maximales Gewicht je Palette
- Überstand – Ware darf in der Regel nicht über den Ladungsträger hinausragen
- Stapelbarkeit und Sicherung
- Etikettierung je Ladungsträger und je Karton
- Zeitfenster und Anmeldung der Anlieferung
- Kartonvorgaben, insbesondere maximale Gewichte je Karton
Der wichtigste Punkt daraus ist banal: Diese Vorgaben gehören an den Ort, an dem gepackt wird – ausgedruckt am Packplatz oder in der Halle, nicht in einem Dokument auf dem Bürorechner.
Schritt für Schritt: Eine Anlieferung, die durchgeht
Schritt 1 – Erst packen, dann buchen
Die Aufteilung steht fest, bevor die Sendung angelegt wird. Alles andere führt zu Abweichungen, die sich später nicht mehr korrigieren lassen.
Schritt 2 – Maße und Gewichte messen, nicht schätzen
Höhe einschließlich Ladungsträger, Gewicht je Palette und je Karton. Eine Palettenwaage ist hier keine Luxusanschaffung.
Schritt 3 – Etikettieren, wenn die Palette fertig ist
In dieser Reihenfolge – und mit einer Prüfung, ob jede Palette und jeder Karton die richtige Kennzeichnung trägt.
Schritt 4 – Die Anlieferung selbst steuern, wenn es geht
Der eigene Spediteur ist erreichbar, ein fremdes Transportprogramm nicht. Bei hohen Warenwerten ist das den Aufpreis meist wert.
Schritt 5 – Abweichungen vor der Abholung klären
Wenn sich kurzfristig etwas ändert: Sendung stornieren und neu anlegen, solange das noch möglich ist. Eine abweichende Anlieferung auf gut Glück loszuschicken, ist die teuerste Variante.
Schritt 6 – Alles dokumentieren
Fotos jeder fertigen Palette mit Etikett, Packliste, Gewichte, Lieferschein. Wenn später Ware fehlt, ist das deine einzige Grundlage.
Schritt 7 – Zeitpuffer einplanen
Anlieferungen kurz vor der Saison sind das größte Risiko. Wer sechs Wochen früher liefert, übersteht auch eine abgelehnte Sendung.
Schritt 8 – Einen Plan B für Rückläufer haben
Wohin geht die Ware, wenn sie zurückkommt? Wer keine eigene Fläche hat, sollte das vor der ersten Palettenlieferung klären.
Die grundsätzliche Überlegung
Beide Fälle führen zur selben Frage: Wie viel Kontrolle gibst du ab?
Direktlieferung vom Hersteller ans Marktplatzlager spart einen Umschlag und Lagerfläche. Dafür hast du keinen Blick auf die Ware, keinen Einfluss auf die Verpackung und im Fehlerfall keinen Gesprächspartner.
Der Umweg über das eigene Lager kostet Handling – und liefert Wareneingangskontrolle, korrekte Etikettierung, dokumentierte Mengen und die Möglichkeit, Fehler zu bemerken, bevor sie zur abgelehnten Anlieferung werden.
Bei hochwertiger oder fehleranfälliger Ware ist dieser Umweg keine Ineffizienz, sondern eine Versicherung.
FAQ
Was passiert, wenn mehr Paletten geliefert werden als gebucht?
Kritischer als die Anzahl sind Maße und Gewicht. Werden die Vorgaben eingehalten und ist alles korrekt gekennzeichnet, ist eine Abweichung eher handhabbar – garantiert ist nichts.
Kann eine abgelehnte Lieferung erneut zugestellt werden?
In der Regel nicht an dasselbe Lager. Umleitungen an andere Standorte funktionieren meist ebenfalls nicht.
Lohnt sich die Direktlieferung vom Hersteller?
Sie spart Handling und kostet Kontrolle. Bei hohen Warenwerten oder fehleranfälliger Ware ist der Umweg über das eigene Lager meist die bessere Wahl.
Was ist die häufigste vermeidbare Ursache für Probleme?
Die falsche Reihenfolge: buchen und etikettieren, bevor gepackt wurde.
Wie schütze ich mich vor Fehlmengen?
Fotos jeder Palette mit Etikett, Packliste und dokumentierte Gewichte. Ohne diese Unterlagen lässt sich später nichts belegen.
Fazit
Bei der Anlieferung ans Marktplatzlager gibt es wenig Verhandlungsspielraum – die Vorgaben sind eng, und Abweichungen enden im Rückläufer.
Die beiden Regeln, die den meisten Ärger vermeiden, sind unspektakulär: erst packen, dann buchen. Und die Anlieferung möglichst selbst steuern, damit du im Fehlerfall jemanden anrufen kannst.