Amazon Buy Box verloren wegen Hochpreisfehler: Ursachen und Gegenmaßnahmen

Arbeitsplatz mit Laptop als Symbol für Preisüberwachung im Amazon Seller Central

Mehrere Händler berichten von wiederkehrenden Meldungen über einen sogenannten Hochpreisfehler oder von einem komplett entfernten Einkaufswagenfeld. Die Begründung lautet, es lägen niedrigere Referenzpreise vor, ohne dass für den Händler nachvollziehbar wäre, woher dieser Referenzpreis stammt.

Woher der Referenzpreis kommen kann

Genau hier liegt die häufigste Überraschung. Der Vergleichspreis stammt nicht zwingend von einem anderen Amazon-Angebot, sondern kann von einem beliebigen anderen Onlineshop, einem Preisvergleichsportal oder einem anderen Marktplatz stammen.

Daraus ergeben sich mehrere praktische Fehlerquellen:

  • Der eigene Shop ist günstiger. Wer im eigenen Onlineshop einen niedrigeren Preis führt als bei Amazon, liefert den Referenzpreis selbst.
  • Ein Restposten- oder Abverkaufsangebot. Ein einzelnes stark reduziertes Angebot irgendwo im Netz kann als Referenz herangezogen werden.
  • Eine Produktkopie auf einer anderen Plattform. Wird das eigene Produkt nachgebaut und deutlich billiger angeboten, wirkt sich das auf die eigene Preisbewertung aus, wie der Beitrag zu kopierten Produkten und verlorener Buy Box zeigt.
  • Ein veraltetes Angebot. Ein nicht mehr gepflegtes Listing bei einem Händler, der das Produkt gar nicht mehr führt, kann weiterhin als Referenz dienen.

Die systematische Fehlersuche

Wer regelmäßig betroffen ist, sollte nicht jeden Einzelfall neu untersuchen, sondern eine Dokumentation aufbauen. Sinnvoll ist eine Tabelle mit ASIN, Datum, eigenem Preis zum Zeitpunkt der Meldung und dem Ergebnis der eigenen Recherche.

Nach wenigen Wochen zeigt sich darin in aller Regel ein Muster: entweder eine bestimmte Produktgruppe, ein bestimmter Wettbewerber oder ein wiederkehrender externer Anbieter. Erst dieses Muster ermöglicht eine gezielte Gegenmaßnahme statt eines dauerhaften Reagierens.

Was sich gegenüber der Plattform durchsetzen lässt

Eine Beschwerde hat die besten Aussichten, wenn sie konkret ist. Hilfreich sind: die betroffene ASIN, der eigene Preis, ein Nachweis, dass der herangezogene Referenzpreis nicht vergleichbar ist, etwa wegen abweichender Menge, Zustand oder eines anderen Produkts, sowie der Hinweis auf eine unrechtmäßige Produktkopie, falls diese vorliegt.

Wichtig ist der Hinweis auf die kartellrechtliche Entwicklung: Das Bundeskartellamt hat Amazon untersagt, die Preise von Marketplace-Händlern über eigene Kontrollmechanismen zu beeinflussen. Details dazu im Beitrag zum Verbot der Amazon-Preiskontrolle. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig, verändert aber die Ausgangslage für betroffene Händler spürbar.

Wenn das Feld bei allen Anbietern fehlt

Ein Sonderfall verdient eigene Aufmerksamkeit: Manchmal wird das Einkaufswagenfeld nicht einem einzelnen Händler entzogen, sondern bei einem Produkt für sämtliche Anbieter ausgeblendet. Kunden sehen dann nur noch die Liste der Angebote ohne direkten Kaufen-Button.

Ursache ist in aller Regel, dass der von der Plattform ermittelte Referenzpreis unter dem niedrigsten Angebot aller Händler liegt. Der Umsatz bricht dann für alle Anbieter gleichzeitig ein. Für den Markeninhaber ist das ein deutliches Warnsignal, dass irgendwo im Netz ein sehr günstiges Angebot existiert, das die gesamte Preiswahrnehmung des Produkts nach unten zieht.

In solchen Fällen lohnt eine gezielte Recherche nach dem eigenen Produktnamen und der EAN über Preisvergleichsportale hinweg. Häufig findet sich dabei ein Restpostenhändler, ein Auslandsangebot oder ein Abverkauf, von dem der Markeninhaber nichts wusste.

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