Auf Amazon lässt sich inzwischen bereits mit einem einfachen Mouse-over auf den Verkäufernamen einer Artikelseite einsehen, wie viele Bestellungen ein Händler im vergangenen Jahr abgewickelt hat und wie lange er bereits auf der Plattform aktiv ist. Was Amazon vermutlich als zusätzlichen Vertrauensfaktor für Kunden kommuniziert, hat aus Händlerperspektive eine kritischere Seite.
Wo früher spezialisierte, teils kostenpflichtige Tools nötig waren, um die ungefähre Größenordnung eines Wettbewerbers einzuschätzen, genügt jetzt ein einfacher Blick auf der Produktseite. Die eigenen Verkaufszahlen werden damit für jeden Konkurrenten unmittelbar sichtbar.
Problematischer ist aus Sicht kleinerer Händler jedoch der psychologische Effekt auf Kunden: Wer ein Angebot eines kleineren, noch wachsenden Anbieters mit einem etablierten Marktführer vergleicht, sieht bei diesem ein deutlich höheres Bestellvolumen und tendiert dazu, allein aufgrund dieser sichtbaren Größe dort zu kaufen, unabhängig von Preis oder tatsächlicher Produktqualität.
Diese neue Form der Transparenz könnte die Schere zwischen etablierten Top-Sellern und kleineren, aufstrebenden Händlern mittelfristig weiter vergrößern, da die sichtbare Größe selbst zu einem zusätzlichen Wettbewerbsvorteil für bereits große Anbieter wird.
Für kleinere Händler bedeutet das, verstärkt auf andere Differenzierungsmerkmale zu setzen, etwa positive Kundenbewertungen, besonders reaktionsschnellen Kundenservice oder eine klare Nischenpositionierung, um dem reinen Größenvergleich mit etablierten Anbietern gezielt auszuweichen.