Ausbildung im E-Commerce: Warum sich eigene Azubis lohnen

Team am Besprechungstisch als Symbol für Ausbildung und Personalentwicklung im E-Commerce

Der Ausbildungsberuf Kaufmann beziehungsweise Kauffrau im E-Commerce existiert seit 2018, wird aber in vielen Regionen noch immer erstaunlich selten angeboten. Berufsschulen berichten von Klassen, die nur mit Mühe zustande kommen, während gleichzeitig praktisch jeder Onlinehändler über Fachkräftemangel klagt.

Warum so wenige Betriebe ausbilden

Drei Gründe tauchen in Gesprächen mit Betrieben regelmäßig auf. Der erste ist schlichte Unkenntnis: Vielen kleineren Händlern ist nicht bekannt, dass es einen eigenen Ausbildungsberuf für ihr Geschäftsfeld gibt. Der zweite ist Unsicherheit über die eigene Eignung als Ausbildungsbetrieb. Der dritte ist die Sorge vor zusätzlichem organisatorischem Aufwand neben dem Tagesgeschäft.

Der zweite Punkt lässt sich meist schnell klären. Voraussetzung ist, dass der Betrieb die Ausbildungsinhalte tatsächlich vermitteln kann und eine Person mit Ausbildereignung vorhanden ist. Diese Eignung lässt sich über einen überschaubaren Lehrgang bei der zuständigen Kammer erwerben, häufig berufsbegleitend.

Was in der Ausbildung tatsächlich vermittelt wird

Der Ausbildungsrahmenplan deckt genau die Bereiche ab, in denen Onlinehändler Personal suchen: Sortimentsgestaltung, Beschaffung, Onlinemarketing, Vertriebskanäle und deren Auswahl, kaufmännische Steuerung, Kundenkommunikation sowie rechtliche Rahmenbedingungen des Onlinehandels.

Für Betriebe bedeutet das, dass ein erheblicher Teil der Ausbildung ohnehin im laufenden Betrieb stattfindet. Wer Marktplätze bespielt, Produktdaten pflegt, Retouren bearbeitet und Werbung schaltet, bildet damit bereits entlang des Rahmenplans aus, auch ohne separates Schulungsprogramm.

Die betriebswirtschaftliche Seite

Eine Ausbildung ist zunächst eine Investition. Über drei Jahre fallen Vergütung, Sozialabgaben und Betreuungsaufwand an, während die Produktivität erst allmählich steigt. Dem gegenüber steht der Vergleich mit der externen Personalsuche: Die Gewinnung einer erfahrenen Fachkraft im E-Commerce ist inzwischen aufwendig, teuer und häufig erfolglos.

Hinzu kommt ein Effekt, der sich schwer beziffern lässt: Wer im eigenen Betrieb ausgebildet wurde, kennt die Systeme, die Sortimentslogik und die gewachsenen Prozesse. Diese Einarbeitungszeit entfällt vollständig, und die Bindung an den Betrieb ist erfahrungsgemäß höher als bei extern gewonnenen Kräften.

Zusammenarbeit mit der Berufsschule

Gerade für Betriebe ohne Ausbildungserfahrung lohnt der direkte Draht zur Berufsschule. Lehrkräfte kennen den Rahmenplan im Detail und können einordnen, welche Inhalte im Betrieb und welche in der Schule abgedeckt werden. Viele sind zudem an praxisnahen Fallbeispielen aus echten Betrieben interessiert, was für beide Seiten funktioniert.

Wer den Aufwand zunächst begrenzen möchte, kann mit einem Praktikumsplatz beginnen. Das erfordert keine formale Ausbildungsberechtigung, gibt aber einen realistischen Eindruck davon, ob Betreuung und Betriebsablauf zusammenpassen, bevor eine dreijährige Verpflichtung eingegangen wird.

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