Eine als Abmahnung getarnte Phishing-Mail behauptet, im Namen einer bekannten Künstlerin unerlaubte Nutzung geschützter Werke festgestellt zu haben. Ziel ist, den Empfänger durch Angst zum Öffnen eines Anhangs zu bewegen.
Warum diese Masche funktioniert
Angst ist der wirksamste Hebel für Phishing. Eine angebliche Urheberrechtsverletzung trifft bei Onlinehändlern einen wunden Punkt, weil viele tatsächlich Bilder und Texte aus unterschiedlichen Quellen einsetzen und nicht in jedem Einzelfall die Rechtelage lückenlos belegen könnten. Genau diese Unsicherheit wird ausgenutzt.
Die Warnsignale
- Absender außerhalb Deutschlands trotz vorgeblich deutscher Kanzlei
- Vager Vorwurf ohne Angabe, welches Werk auf welcher Unterseite betroffen sein soll
- Der eigentliche Inhalt steckt im Anhang, statt in der Mail selbst zu stehen
- Anhang ist keine PDF, sondern eine Archiv-, Skript- oder Verknüpfungsdatei
- Auffällige Eile, oft eine Frist von wenigen Tagen
- Keine ladungsfähige Anschrift und keine auffindbare Kanzlei
Ein weiteres verlässliches Merkmal steckt im technischen Kopf der E-Mail. Dort lässt sich ablesen, über welche Server die Nachricht tatsächlich lief. Weicht das erkennbar von der angegebenen Absenderdomain ab, ist die Sache klar.
Wie eine echte Abmahnung aussieht
Eine berechtigte urheberrechtliche Abmahnung benennt das konkrete Werk, den Fundort der Nutzung, den Rechteinhaber und die Grundlage der Rechteinhaberschaft. Sie enthält eine vorformulierte Unterlassungserklärung und kommt in aller Regel per Post oder als PDF mit vollständigem Kanzleibriefkopf.
Vor allem aber: Sie fordert keine Zahlung auf ein Privatkonto. Anwaltliche Forderungen laufen über Kanzleikonten mit nachvollziehbaren Angaben.
Der Unterschied zur echten, aber überhöhten Forderung
Nicht jede unangenehme Abmahnung ist gefälscht. Es gibt reale Forderungen mit auffällig hohen Beträgen, etwa mehrere tausend Euro für ein einzelnes Foto. Diese sind rechtlich zu prüfen, nicht zu ignorieren.
Die Unterscheidung ist wichtig: Eine gefälschte Abmahnung wird gelöscht, eine echte, aber überhöhte Forderung gehört zur anwaltlichen Prüfung. Wer beides verwechselt, macht in die eine oder andere Richtung einen teuren Fehler.
Warum Angst der eigentliche Angriffsvektor ist
Betrügerische Abmahnungen setzen bewusst auf einen Bereich, in dem sich viele Händler unsicher fühlen. Wer über Jahre Bilder aus verschiedenen Quellen eingesetzt hat, kann selten für jedes einzelne die Rechtekette lückenlos belegen. Genau dieses Wissen um die eigene Lücke erzeugt den Reflex, schnell reagieren zu wollen.
Die wirksamste Gegenmaßnahme ist deshalb keine technische, sondern eine organisatorische: eine saubere Dokumentation der eigenen Bildquellen. Wer weiß, woher jedes Bild stammt, liest eine solche Mail deutlich gelassener und erkennt schneller, dass der behauptete Vorwurf ins Leere geht.
Wenn Sie unsicher bleiben
Bei jeder Unsicherheit gilt: Eine kurze anwaltliche Ersteinschätzung kostet einen Bruchteil dessen, was eine unberechtigt gezahlte Forderung oder eine versäumte Frist verursacht. Wichtig ist nur, dass die Prüfung vor einer Zahlung erfolgt, nicht danach.
Ebenso hilfreich ist der Abgleich in der eigenen Branche. Betrugswellen laufen selten gegen einen einzelnen Empfänger. Wenn mehrere Händler dieselbe Nachricht erhalten haben, ist die Sache in aller Regel schnell geklärt.