Der DHL-Konzern hat für sein Segment Post und Paket Deutschland im ersten Halbjahr ein operatives Ergebnis von 447 Millionen Euro gemeldet, ein Plus von rund 38 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Als Gründe nennt das Unternehmen selbst das Paketgeschäft, Preisanpassungen und strukturelle Kostenverbesserungen.
Gleichzeitig berichten zahlreiche Geschäftskunden von genau entgegengesetzten Erfahrungen bei der tatsächlichen Servicequalität: Sendungen, die tagelang unbewegt in Verteilzentren liegen, Zustellzeiten von teils deutlich über einer Woche bei Groß- und Maxibriefen, sowie ein Kundenservice, der bei komplexeren Anliegen häufig nur mit Textbausteinen und dem Verweis auf das reformierte Postgesetz reagiert.
Rechtlich bleibt die Deutsche Post auch nach der Postreform verpflichtet, 99 Prozent der Briefe innerhalb von vier Werktagen zuzustellen. Wenn Händler diese Vorgabe im eigenen Erfahrungswert regelmäßig deutlich unterschritten sehen, lohnt sich eine systematische Dokumentation der eigenen Laufzeiten, um im Zweifel eine fundierte Beschwerde bei der Bundesnetzagentur einreichen zu können.
Für die eigene Versandstrategie bedeutet die Kombination aus steigenden Gewinnen und sinkender wahrgenommener Servicequalität: Wer stark auf einen einzigen Anbieter setzt, hat aktuell wenig Verhandlungsspielraum, um auf anhaltende Qualitätsprobleme zu reagieren.
Eine regelmäßige, strukturierte Erfassung der tatsächlichen Zustellzeiten und Beschwerdefälle, statt einer rein gefühlten Einschätzung, verschafft Händlern eine deutlich stärkere Argumentationsgrundlage, sowohl gegenüber dem eigenen Versanddienstleister als auch gegenüber der zuständigen Regulierungsbehörde.