GPSR-Stichtag im Rückblick: Was tatsächlich passierte und was nicht

Zum Inkrafttreten der EU-Produktsicherheitsverordnung GPSR erwarteten viele Online-Händler eine unmittelbare, großflächige Sperrwelle von Angeboten ohne die neu geforderten Kontaktdaten. In der Praxis zeigte sich am eigentlichen Stichtag jedoch ein deutlich weniger dramatisches Bild.

ASINs ohne die vorgeschriebenen Kontaktdaten waren auch nach dem Stichtag zunächst weiterhin bei Amazon verfügbar, eine sofortige, flächendeckende Sperrung setzte nicht ein. Das entspricht einem Muster, das bei vielen neuen regulatorischen Fristen im Online-Handel zu beobachten ist: Die tatsächliche technische und organisatorische Durchsetzung durch die Plattformen erfolgt oft schrittweise statt exakt zum Stichtag.

Für Händler bedeutet das aber ausdrücklich keine Entwarnung. Auch wenn eine sofortige Sperrung ausbleibt, bleibt die rechtliche Pflicht zur Einhaltung der GPSR-Vorgaben unverändert bestehen, und eine spätere, dafür möglicherweise umfassendere Durchsetzungswelle ist jederzeit möglich.

Wer die eigene GPSR-Compliance noch nicht vollständig abgeschlossen hat, sollte das unabhängig vom Ausbleiben einer sofortigen Sperrwelle zeitnah nachholen, um nicht später von einer plötzlichen, umfangreichen Deaktivierungswelle überrascht zu werden.