Private Krankenversicherung für Selbstständige: Worauf es beim Vergleich ankommt

Ein selbstständiger Händler berichtet von seiner Entscheidung gegen die private Krankenversicherung und stellt in die Runde die Frage, wer aktuell weniger zahlt und welche Anbieter sich in der Praxis bewährt haben. Die Antworten zeigen ein bekanntes Muster: Die Beiträge unterscheiden sich stark, und praktisch jeder berichtet von Beitragssteigerungen, ganz gleich bei welchem Anbieter.

Der grundsätzliche Unterschied

Die gesetzliche Krankenversicherung berechnet den Beitrag einkommensabhängig bis zu einer Beitragsbemessungsgrenze und schließt Familienangehörige ohne eigenes Einkommen kostenfrei mit ein. Die private Krankenversicherung kalkuliert dagegen risikobasiert nach Eintrittsalter und Gesundheitszustand, kennt keine beitragsfreie Familienversicherung, kann bei jungem Eintrittsalter aber deutlich günstiger starten. Wichtig für die eigene Einordnung, dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Versicherungsberatung, sondern ordnet nur die grundsätzlichen Mechanismen ein.

Warum der Einstiegsbeitrag der falsche Vergleichsmaßstab ist

Ein Vergleich, der sich nur am aktuellen Monatsbeitrag orientiert, greift zu kurz. Entscheidender ist die Beitragsentwicklung über einen längeren Zeitraum. Ein Anbieter mit niedrigem Einstiegsbeitrag, der aber regelmäßig zweistellig prozentual erhöht, kann nach zehn Jahren teurer sein als ein Anbieter mit höherem, aber stabilerem Ausgangsbeitrag.

Bei mir ist der Beitrag über die letzten Jahre jedes Jahr um einen zweistelligen Betrag gestiegen. Ich höre aber von anderen Versicherten, dass ihre Beiträge ähnlich steigen, unabhängig vom Anbieter.
Kommentar eines Selbstständigen zur eigenen Beitragsentwicklung

Was den Rückweg so schwierig macht

Ein Wechsel von der privaten zurück in die gesetzliche Krankenversicherung ist für Selbstständige ab einem bestimmten Alter praktisch ausgeschlossen und an enge Voraussetzungen geknüpft. Diese Einbahnstraße sollte in die Entscheidung von Anfang an einfließen, insbesondere bei schwankenden Unternehmensgewinnen, die im Onlinehandel keine Seltenheit sind.

Was praktisch weiterhilft

  • Beitragshistorie erfragen, nicht nur den Einstiegsbeitrag. Seriöse Vermittler legen die Entwicklung der letzten zehn Jahre für den gewählten Tarif offen.
  • Selbstbehalt realistisch kalkulieren. Ein niedriger Monatsbeitrag mit hohem Selbstbehalt kann in einem schwachen Geschäftsjahr zur Liquiditätsfalle werden.
  • Unabhängige Beratung einholen. Bei einer so langfristigen Entscheidung lohnt sich eine Beratung, die nicht ausschließlich an der Vermittlung eines bestimmten Anbieters verdient.
  • Rückweg in die GKV vorab prüfen. Wer sich die Option offenhalten will, sollte die Altersgrenzen und Ausnahmetatbestände kennen, bevor der Vertrag unterschrieben wird.

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