Unternehmensbewertung im B2B-Onlinehandel: Welche Faktoren den Multiplikator bestimmen

Bei der Frage, was ein Onlinehandelsunternehmen wert ist, wird häufig zu schnell nach einem einfachen Multiplikator gesucht. Tatsächlich hängt die Bewertung stark von Faktoren ab, die weit über die reinen Ertragskennzahlen hinausgehen.

Ein ungewöhnlich hohes Verhältnis von Ertrag zu Umsatz, wie es in spezialisierten B2B-Nischen vorkommen kann, ist zunächst ein sehr positives Signal, wirft für einen Käufer aber unmittelbar die Frage nach der Nachhaltigkeit auf. Beruht die hohe Marge auf einem strukturellen Wettbewerbsvorteil oder auf einer Marktsituation, die sich kurzfristig ändern kann.

Wertsteigernd wirken typischerweise eine geringe Abhängigkeit von einzelnen Kunden oder Lieferanten, wiederkehrende Umsätze, eine eigene Marke mit Schutzrechten, Schuldenfreiheit sowie ein Geschäftsmodell, das auch ohne den bisherigen Inhaber funktioniert. Wertmindernd wirken dagegen eine starke Abhängigkeit von einem einzelnen Vertriebskanal, konzentriertes Wissen bei einer einzelnen Person und Patente oder Marken, die privat und nicht im Unternehmen gehalten werden.

Der letzte Punkt wird häufig unterschätzt: Liegen zentrale Schutzrechte privat beim Gesellschafter statt im Unternehmen, mindert das aus Käufersicht den Wert des Unternehmens erheblich, da der eigentliche Werttreiber nicht Teil des Kaufgegenstands ist. Eine frühzeitige Übertragung ins Betriebsvermögen kann hier sinnvoll sein, sollte aber steuerlich begleitet werden.

Wer ernsthaft über einen Verkauf nachdenkt, sollte eine professionelle Bewertung durch einen auf Unternehmenstransaktionen spezialisierten Berater einholen, statt sich auf Faustformeln zu verlassen. Wichtiger als der ermittelte Wert selbst ist dabei oft die Erkenntnis, welche Stellschrauben in den zwei bis drei Jahren vor einem Verkauf gezielt verbessert werden können.