Ein Händler wundert sich über ein Produkt, das für 5,99 Euro inklusive Versand verkauft wird und laut Amazon-Ertragsrechner eine negative Gewinnspanne von über neun Prozent aufweist, selbst bei sehr niedrig angesetzten Herstellungskosten. Die Antwort aus der Runde liefert eine wichtige Erklärung, warum solche Preise trotzdem wirtschaftlich sein können, aber eben nicht immer.
Warum niedrige Preise nicht automatisch unwirtschaftlich sind
Bei Restposten oder Waren mit sehr hoher Stückzahl können die tatsächlichen Herstellungskosten pro Einheit im niedrigen Cent-Bereich liegen, deutlich unter dem, was auf den ersten Blick plausibel erscheint. Ebenso wichtig sind Versandkonditionen, die bei sehr hohem Volumen oft erheblich günstiger ausfallen als die in Kalkulationsrechnern hinterlegten Standardwerte. Beide Effekte zusammen können einen auf den ersten Blick verlustreichen Preis tatsächlich profitabel machen.
Wo die eigentliche Gefahr liegt
Die eigentliche Gefahr entsteht, wenn ein Händler ohne die entsprechenden Skaleneffekte versucht, einen ähnlich niedrigen Preis zu unterbieten, in der Annahme, das Konkurrenzangebot müsse ja profitabel sein. Ohne vergleichbare Einkaufs- und Versandkonditionen führt ein solcher Preiswettlauf schnell zu echten, nicht nur rechnerischen Verlusten.
Bei Restposten und entsprechend hohen Stückzahlen können die Herstellungskosten durchaus im Bereich weniger Cent liegen, dazu kommen dann bessere Versandkonditionen aufgrund des Volumens. Das kann bei ähnlichen Preisen von Wettbewerbern durchaus profitabel sein.
Kommentar eines Händlers zur Einordnung niedriger Konkurrenzpreise
Wie sich das für die eigene Preisstrategie nutzen lässt
Vor einer Preisanpassung an einen auffällig niedrigen Konkurrenzpreis lohnt sich die Prüfung, ob die eigene Einkaufs- und Versandsituation überhaupt vergleichbar ist. Fehlen entsprechende Skaleneffekte, ist ein bewusstes Nicht-Mitziehen häufig die wirtschaftlich sinnvollere Entscheidung, auch wenn das kurzfristig Marktanteile kosten kann.
Was praktisch weiterhilft
- Eigene Kalkulation vor jedem Preiswettlauf prüfen. Ein niedriger Konkurrenzpreis ist kein Beweis für dessen Profitabilität, aber auch kein automatischer Hinweis auf einen Fehler.
- Volumenabhängige Versandkonditionen realistisch einschätzen. Standardwerte in Kalkulationsrechnern bilden individuelle Sonderkonditionen nicht ab.
- Restposten-Kalkulationen von regulärer Ware trennen. Die Kostenbasis unterscheidet sich oft grundlegend und lässt sich nicht direkt vergleichen.
- Bei Unsicherheit die eigene Marge dokumentieren, statt zu raten. Eine belastbare eigene Kalkulation schützt besser vor Fehlentscheidungen als die Beobachtung fremder Preise.