Von 44 auf über 100 Stunden Laufzeit: Wenn das Serviceversprechen des Versanddienstleisters nicht mehr trägt

Ein Händler hat die tatsächlichen Laufzeiten seiner Kleinpaket-Sendungen systematisch ausgewertet und kommt zu einem drastischen Ergebnis: von durchschnittlich 44 Stunden im Vorjahr über 82 Stunden im Frühjahr bis auf aktuell 102 Stunden im Durchschnitt. Einzelne Sendungen verharren dabei über eine Woche im Status der lediglich elektronischen Ankündigung.

Die betrieblichen Folgen sind erheblich. Trotz präventiv um zwei Tage erhöhter Versandzeiten auf den Plattformen geraten die eigenen Lieferquoten unter Druck. Hinzu kommt ein spürbarer Zeitaufwand allein für die Beantwortung von Rückfragen zum Verbleib von Sendungen, den der Händler auf rund zwei Stunden pro Woche beziffert.

Besonders problematisch ist die Verschiebung der Verantwortung: Kunden nehmen die Verzögerung als Versäumnis des Händlers wahr, während die eigentliche Ursache beim Versanddienstleister liegt. Negative Bewertungen und Vertrauensverluste bleiben dennoch beim Händler hängen.

Wer eine solche Entwicklung bei sich vermutet, sollte sie zunächst belastbar messen, statt sich auf ein Gefühl zu verlassen. Eine einfache Auswertung der Zeitspanne zwischen Einlieferung und dokumentierter Zustellung über mehrere Monate liefert eine belastbare Grundlage, sowohl für Gespräche mit dem Dienstleister als auch für die eigene Entscheidung über Versandzeiten und Anbieterwahl.

Mit solchen Zahlen lässt sich zudem deutlich wirksamer verhandeln als mit allgemeiner Kritik. Wo ein Anbieter sein kommuniziertes Serviceniveau dauerhaft und messbar verfehlt, ist zumindest eine Anpassung der Konditionen ein legitimer Verhandlungspunkt, ebenso wie die schrittweise Verlagerung von Sendungsvolumen zu einem zuverlässigeren Anbieter.