Ein Händler berichtet von einem Umsatzrückgang von 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr mit weiter steigender Tendenz. Die eigene Analyse ergab, dass ein Großteil der bisherigen Endkunden inzwischen direkt bei chinesischen Anbietern einkauft, sei es über spezialisierte Plattformen oder über chinesische Verkäufer auf etablierten Marktplätzen.
Der entscheidende Faktor ist dabei das schlicht enorme Preisgefälle: Wenn ein vergleichbares Produkt beim Direktanbieter aus Fernost für einen Bruchteil des Preises verfügbar ist, greifen preissensible Kunden trotz längerer Lieferzeiten und unsicherer Gewährleistung zunehmend zur günstigeren Option.
Für europäische Händler ist ein reiner Preiswettbewerb in dieser Konstellation faktisch nicht zu gewinnen, da Produktions-, Lohn- und Regulierungskosten strukturell auf einem völlig anderen Niveau liegen. Wer versucht, dieses Preisgefälle über sinkende Margen auszugleichen, gerät in aller Regel schnell in eine wirtschaftlich nicht tragfähige Situation.
Realistische Gegenstrategien setzen deshalb an anderen Punkten an: kurze Lieferzeiten aus europäischem Lager, verlässliche Gewährleistung mit tatsächlich erreichbarem Ansprechpartner, geprüfte Produktqualität und Konformität mit europäischen Sicherheitsstandards, sowie fachliche Beratung, die ein reiner Direktversender nicht bieten kann.
Ergänzend lohnt sich eine ehrliche Sortimentsanalyse: In welchen Kategorien konkurriert man tatsächlich mit austauschbarer Massenware und wo hat man ein Alleinstellungsmerkmal. Ein bewusster Rückzug aus Produktgruppen, in denen der Preiskampf strukturell verloren ist, kann wirtschaftlich sinnvoller sein als der Versuch, überall gleichzeitig zu bestehen.