Seit dem 22. August befördert DHL keine Geschäftskunden-Pakete mehr in die Vereinigten Staaten. Privatpersonen können weiterhin Geschenksendungen bis 100 US-Dollar verschicken, teurere Pakete laufen ausschließlich über den deutlich kostspieligeren Express-Service.
Warum der Versand eingestellt wurde
Für viele Kleinsendungen in die USA können nun Zölle zwischen 80 und 200 US-Dollar pro Artikel anfallen. Entscheidend für die Dienstleister ist aber weniger die Höhe als der Verwaltungsaufwand: Jede Sendung braucht eine vollständige Zollanmeldung mit Warentarifnummer, Ursprungsland und Wertangabe.
Dieser Aufwand lässt sich im Massengeschäft mit Standardpaketen nicht wirtschaftlich abbilden. Auch andere europäische Postunternehmen haben nach Presseberichten vergleichbare Einschränkungen verhängt.
Welche Wege bleiben
- Express-Dienste. Die klassischen Kurierdienste wickeln die Verzollung routinemäßig ab. Der Preis liegt deutlich höher, dafür ist die Zollabwicklung eingeschlossen.
- Spezialisierte Zolldienstleister. Anbieter, die Sendungen bündeln und gemeinsam verzollen. Sinnvoll ab einem regelmäßigen Volumen.
- Lagerung in den USA. Ware wird gesammelt eingeführt und von dort national versendet. Das verlagert die Zollabwicklung auf eine einmalige Einfuhr.
- Verkauf über einen US-Marktplatz mit eigener Logistik. Die Plattform übernimmt Einfuhr und Versand, im Gegenzug entfällt die direkte Kundenbeziehung.
Wann sich der Aufwand noch lohnt
Für Händler mit gelegentlichen US-Bestellungen ist die ehrliche Antwort häufig: gar nicht. Wenn eine Sendung mit 40 Euro Warenwert 60 Euro Versand und 50 Euro Zoll verursacht, ist der Vorgang für beide Seiten unattraktiv.
Sinnvoll ist dann, den Versand in die USA im Shop und auf den Marktplätzen aktiv zu deaktivieren, statt Bestellungen anzunehmen und später zu stornieren. Stornierungen belasten die Leistungskennzahlen, eine nicht angebotene Lieferregion nicht.
Ab wann sich ein US-Lager rechnet
Ab einem regelmäßigen Volumen kehrt sich die Rechnung um. Wer monatlich dreistellige Stückzahlen liefert, fährt mit einer Sammeleinfuhr und einem lokalen Fulfillment-Dienstleister meist günstiger, zusätzlich mit kürzeren Lieferzeiten und einfacheren Retouren.
Zu bedenken ist die steuerliche Seite: Ein Lager in den USA begründet in aller Regel eine Registrierungspflicht für die dortige Verkaufssteuer, die je nach Bundesstaat unterschiedlich geregelt ist. Diese Frage gehört vor die Entscheidung, nicht danach.
Was Sie Kunden mitteilen sollten
Wer den US-Versand einstellt oder auf Express umstellt, sollte das aktiv kommunizieren statt Bestellungen stillschweigend abzulehnen. Ein kurzer Hinweis auf der Versandkostenseite und in den Länderauswahlfeldern verhindert Bestellungen, die anschließend storniert werden müssen.
Bei bereits eingegangenen Bestellungen gilt: Eine nachträgliche Erhöhung der Versandkosten ist nicht zulässig, wenn der Vertrag zum angegebenen Preis zustande gekommen ist. Entweder wird zum kalkulierten Preis geliefert oder es wird einvernehmlich storniert. Die einseitige Nachforderung ist keine Option.
Sinnvoll ist deshalb, die Versandkostentabelle unverzüglich anzupassen, sobald sich die Konditionen ändern. Jeder Tag mit veralteten Preisen erzeugt Bestellungen, die entweder Verlust bringen oder Ärger verursachen.