Ein Händler zieht nach einem Hallenbrand in ein neues Lager und will die Erfahrungen der vergangenen Jahre diesmal von Anfang an umsetzen. Aus dem Austausch mit anderen Betrieben ergibt sich eine Sammlung an Punkten, die sich in der Praxis bewährt haben und die beim Neubau oder Umzug leicht mitgeplant werden können.
Beschriftung wird fast immer unterschätzt
Der am häufigsten genannte Punkt klingt banal: Etiketten und Lagerplatzschilder sind in vielen Betrieben zu klein. Ein Kartonaufkleber im Format eines halben DIN-A4-Blattes mit Artikelnummer, Warengattung und Variantenausprägung spart bei jeder Entnahme Sekunden, und diese Sekunden summieren sich über eine Schicht erheblich.
Gleiches gilt für die Lagerplatzkennzeichnung. Wer Regalfach und Ebene aus drei Metern Entfernung lesen kann, muss nicht bis vor das Regal laufen, um festzustellen, dass er in der falschen Gasse steht.
Fördertechnik lohnt früher, als man denkt
Rollenbahnen im Wareneingang und Warenausgang werden von mehreren Betrieben als eine der wirksamsten Investitionen genannt, häufig verbunden mit dem Hinweis, dass vorher alle davon abgeraten hatten. Der Effekt entsteht dadurch, dass Kartons nicht mehr getragen, sondern geschoben werden, was Wege und körperliche Belastung gleichzeitig reduziert.
Wichtig ist die Planung der Höhe. Eine Rollenbahn auf falscher Arbeitshöhe verlagert die Belastung nur vom Rücken in die Schultern.
Was beim Neubau nicht nachträglich geht
Einige Entscheidungen lassen sich später nur mit erheblichem Aufwand korrigieren und gehören deshalb in die Planungsphase:
- Stromanschlüsse und Netzwerkdosen an allen künftigen Packtischen, großzügiger als aktuell nötig
- Deckenhöhe und Regalstatik passend zur geplanten Lagertechnik, nicht zum heutigen Bestand
- Bodenbelastbarkeit für Flurförderzeuge und volle Palettenregale
- Tore und Rampenhöhe passend zu den tatsächlich anliefernden Fahrzeugtypen
- Anordnung von Wareneingang, Lager und Warenausgang als durchgehender Fluss ohne Kreuzungen
Die Versicherung im Vorfeld prüfen
Zwei Punkte werden im Alltag selten kontrolliert und im Schadensfall teuer. Erstens die Versicherungssumme: Wer sein Sortiment ausgeweitet hat, ist häufig unterversichert, was zu einer anteiligen Kürzung der Entschädigung führt. Zweitens die Betriebsunterbrechungsversicherung, die den entgangenen Deckungsbeitrag während des Wiederaufbaus abdeckt. Gerade im Onlinehandel, wo ein Ausfall auch Rankings und Kundenbeziehungen kostet, ist deren Laufzeit entscheidend.
Der pragmatische Einstieg
Wer nicht neu baut, sondern ein bestehendes Lager verbessern will, findet die größten Hebel meist ohne Investition: Schnelldreher nach vorn und in Greifhöhe, Pickreihenfolge nach Laufweg statt nach Auftragsnummer, größere Beschriftungen und feste Plätze für Verpackungsmaterial. Diese vier Maßnahmen kosten einen Tag Arbeit und wirken sofort.