eBay Live Shopping: So funktioniert Live Commerce für Händler

Smartphone mit Social-Media-Apps als Symbol für Live-Shopping im Onlinehandel

eBay treibt in Deutschland den Ausbau von Live Commerce voran. Verkäufer präsentieren dabei Produkte in einer Live-Übertragung, beantworten Fragen in Echtzeit und wickeln Verkäufe direkt während der Sendung ab.

Warum das Format anders funktioniert als ein Produktvideo

Ein vorproduziertes Produktvideo beantwortet die Fragen, die der Händler für relevant hält. Ein Live-Format beantwortet die Fragen, die Kunden tatsächlich haben. Genau darin liegt der Unterschied in der Wirkung, und genau daraus folgt auch der höhere Anspruch an die Vorbereitung.

Wer live verkauft, muss sein Sortiment technisch beherrschen, unerwartete Fragen souverän beantworten und gleichzeitig den Gesprächsfluss halten. Das ist eine andere Kompetenz als gutes Texten oder gute Produktfotografie.

Für welche Sortimente sich das eignet

Live Commerce entfaltet seine Stärke dort, wo Erklärung, Vergleich oder Vorführung einen Unterschied machen. Typische Beispiele sind Sammlerstücke mit Zustandsfragen, technische Produkte mit Bedienungsaspekten, Werkzeuge, Hobbybedarf oder Sortimente mit häufig wechselnden Einzelstücken.

Weniger geeignet sind austauschbare Standardartikel, bei denen die Kaufentscheidung ohnehin über den Preis fällt. Hier erzeugt der Aufwand einer Live-Sendung keinen zusätzlichen Nutzen gegenüber einem gut gemachten Angebot.

Wer ein Bild kleben muss, kann nicht in Marketingfloskeln antworten. Für Live-Formate gilt dasselbe Prinzip: Die direkte Frage zwingt zur konkreten Antwort.
Aus der qualitativen Marktforschung, übertragen auf Live Commerce

Rechtliche Punkte, die im Live-Betrieb schnell untergehen

Ein Livestream ist rechtlich kein Sonderraum. Auch dort gelten die Informationspflichten des Fernabsatzrechts. Preise sind als Endpreise inklusive Umsatzsteuer anzugeben, Versandkosten müssen genannt werden, und bei Waren mit Grundpreisangabepflicht ist auch dieser zu nennen.

Hinzu kommt die Kennzeichnungspflicht bei Kooperationen. Wird ein Produkt eines Partners beworben, ist das als Werbung zu kennzeichnen, auch wenn die Sendung ohnehin erkennbar Verkaufszwecken dient.

Der pragmatische Einstieg

Für einen ersten Test genügt eine überschaubare Ausstattung: ein Smartphone mit Stativ, ein Ansteckmikrofon und eine gleichmäßige Lichtquelle. Der häufigste Anfängerfehler ist nicht schlechtes Bild, sondern schlechter Ton, weil Zuschauer verrauschte Sprache deutlich schneller abschalten als ein mittelmäßiges Bild.

Sinnvoll ist, mit kurzen Sendungen von zwanzig bis dreißig Minuten und einem klar abgegrenzten Sortimentsausschnitt zu beginnen. Wer die eigene Präsentationsfähigkeit und die tatsächliche Zuschauerresonanz erst einmal realistisch einschätzen kann, entscheidet danach fundierter über eine dauerhafte Ausweitung. Überlegungen zur Ausstattung finden sich im Beitrag zum eigenen Videostudio für Social Commerce.

Wie oft und wann gesendet wird

Für die Planung ist Regelmäßigkeit wichtiger als Häufigkeit. Ein fester Sendetermin, den Zuschauer sich merken können, baut über Wochen ein wiederkehrendes Publikum auf. Unregelmäßige Sendungen erreichen dagegen jedes Mal nur, wer zufällig gerade online ist.

Erfahrungswerte aus dem Handel sprechen für einen Rhythmus von ein bis zwei Sendungen pro Woche zu einer gleichbleibenden Uhrzeit. Bei der Zeitwahl lohnt ein Blick auf die eigene Zielgruppe: Geschäftskunden sind eher am frühen Abend erreichbar, private Käufer eher später oder am Wochenende.

Sinnvoll ist außerdem, jede Sendung anzukündigen und die Aufzeichnung anschließend weiterzuverwenden. Ein Livestream ist teuer in der Vorbereitung und kurz in der Wirkung, wenn er nur einmal läuft. Als Aufzeichnung, zerlegt in kurze Ausschnitte, trägt derselbe Aufwand deutlich länger.

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