Deckungsbeitrag pro Bestellung über alle Kanäle: Ein oft vernachlässigtes Controlling-Thema

Ein selten offen diskutiertes, aber zentrales Thema im Multichannel-Handel ist die Frage, wie sich der tatsächliche Deckungsbeitrag pro Bestellung, pro Tag und pro Monat plattformübergreifend zuverlässig ermitteln lässt. Viele Händler kennen ihren Gesamtumsatz sehr genau, aber nicht die tatsächliche Profitabilität einzelner Kanäle oder Produkte.

Die Schwierigkeit liegt in der Vielzahl kanalspezifischer Kostenarten: Verkaufsprovisionen, Versand- und Fulfillmentgebühren, Lagerkosten, Werbekosten, Zahlungsgebühren, Retourenkosten und Erstattungen fallen je Plattform unterschiedlich an und werden in unterschiedlichen Formaten und Zeitpunkten abgerechnet.

Ohne eine saubere Zusammenführung dieser Daten entsteht leicht ein verzerrtes Bild. Ein Kanal mit hohem Umsatz kann nach Abzug aller kanalspezifischen Kosten deutlich weniger beitragen als ein kleinerer, aber margenstärkerer Kanal, was bei einer rein umsatzbasierten Betrachtung unsichtbar bleibt.

Ein praktikabler Einstieg besteht darin, zunächst für eine überschaubare Auswahl repräsentativer Produkte eine vollständige Deckungsbeitragsrechnung je Kanal manuell aufzustellen, einschließlich anteiliger Retourenkosten auf Basis der tatsächlichen Retourenquote des jeweiligen Kanals. Schon diese Stichprobe liefert häufig überraschende Erkenntnisse.

Für eine dauerhafte Lösung führt in der Regel kein Weg an einer automatisierten Zusammenführung vorbei, sei es über spezialisierte Analysetools, über die eigene Warenwirtschaft oder über eine eigene Auswertung auf Basis der Abrechnungsberichte der Plattformen. Der Aufwand lohnt sich, weil erst diese Transparenz fundierte Entscheidungen über Sortiment, Preise und Kanalgewichtung ermöglicht.