Erste Hinweise im Seller Central und in den Hilfeseiten deuten darauf hin, dass Amazon ein Logistikprogramm namens Easy Ship einführen könnte. Detaillierte Konditionen liegen bislang nicht öffentlich vor, das Grundprinzip lässt sich aus bestehenden Programmen in anderen Märkten jedoch ableiten.
Die Lücke zwischen den bestehenden Modellen
Für viele Händler ist genau diese Zwischenposition interessant. FBA nimmt Arbeit ab, verlangt aber die Einlagerung bei Amazon, was Kapital bindet, Lagergebühren erzeugt und die Kontrolle über den Bestand einschränkt. FBM behält die Kontrolle, überlässt dem Händler aber Verhandlung, Abwicklung und Risiko des Versands.
Ein Modell, bei dem die Ware im eigenen Lager bleibt, der Transport aber über die Konditionen und die Zustellstruktur der Plattform läuft, adressiert beide Nachteile gleichzeitig. Für Händler mit sperriger, hochpreisiger oder schnell wechselnder Ware kann das erheblich sein.
Welche Fragen vor einer Teilnahme zu klären sind
- Wer haftet für Transportschäden und wie läuft die Regulierung ab?
- Welche Verpackungsvorgaben gelten, und werden Sendungen bei Abweichung zurückgewiesen?
- Wie werden Retouren abgewickelt, und kommen sie ins eigene Lager zurück?
- Wie wirkt sich das Programm auf die Lieferzeitangabe aus, und gilt eine Verspätung als vom Händler verursacht?
- Welche Abholzeiten gelten, und passen sie zum eigenen Tagesablauf?
Der vierte Punkt ist der wirtschaftlich wichtigste. Wenn eine Verzögerung im Transport die eigenen Leistungskennzahlen belastet, obwohl der Transport von der Plattform gesteuert wird, verschiebt sich das Risiko zum Händler, ohne dass er es beeinflussen kann.
Der strategische Hintergrund
Das Programm passt in eine erkennbare Entwicklung: Amazon baut die eigene Logistik konsequent aus und öffnet sie zunehmend über den eigenen Marktplatz hinaus, wie der Beitrag zu Amazon Supply Chain Services zeigt.
Für Händler bedeutet das mittelfristig mehr Auswahl und potenziell besseren Wettbewerb bei den Versandkonditionen. Gleichzeitig entsteht eine engere Bindung an ein Unternehmen, das zugleich Marktplatz, Logistikdienstleister und teilweise direkter Wettbewerber ist.
Das sinnvolle Vorgehen
Bei einem Programm ohne veröffentlichte Konditionen ist Abwarten die vernünftige Haltung. Wird es verfügbar, empfiehlt sich ein Test mit einem klar abgegrenzten Sortimentsausschnitt über mindestens einen vollständigen Monat, mit Vergleich der tatsächlichen Kosten je Sendung und der Auswirkung auf die eigenen Lieferkennzahlen gegenüber der bisherigen Lösung.
Wie sich ein neues Logistikprogramm bewerten lässt
Für den Vergleich mit der bisherigen Lösung braucht es eine vollständige Kostenrechnung, nicht nur den Preis pro Sendung. Einzurechnen sind: Transportkosten, Verpackungsmaterial, Arbeitszeit für Kommissionierung und Etikettierung, Kosten der Retourenabwicklung sowie der Aufwand für Schadensfälle und Nachforschungen.
Gerade die letzten beiden Positionen werden regelmäßig unterschätzt. Ein Programm, das pro Sendung etwas teurer ist, aber Schadensfälle unbürokratisch reguliert, kann unterm Strich günstiger sein als eine billigere Lösung mit langwierigen Nachforschungsverfahren.
Ebenso gehört die Auswirkung auf die Lieferzeitangabe in die Rechnung. Verkürzt sich die zugesagte Lieferzeit um einen Tag, wirkt sich das messbar auf die Konversionsrate aus. Dieser Effekt lässt sich vorab schwer beziffern, sollte aber in einem Testzeitraum mit erfasst werden.