DHL Vertriebsleiter kommt: So bereiten Sie das Gespräch vor

Paket mit Versandlabel als Symbol für Verhandlungen mit dem Versanddienstleister

Wenn ein Versanddienstleister von sich aus einen persönlichen Besuch durch den Vertriebsleiter anbietet, ist das selten reine Höflichkeit. Meist steht dahinter entweder ein Beschwerdeaufkommen, das intern aufgefallen ist, oder die Absicht, zusätzliche Leistungen zu verkaufen. In beiden Fällen gilt: Wer unvorbereitet in dieses Gespräch geht, führt eine nette Unterhaltung und hat danach exakt dieselben Konditionen wie vorher.

Ohne Zahlen keine Verhandlung

Der wichtigste Vorbereitungsschritt ist die Aufbereitung der eigenen Problemfälle in Zahlen. Ein Satz wie die Zustellung ist in letzter Zeit schlechter geworden lässt sich mit einem Verweis auf allgemeine Marktbedingungen abräumen. Eine Tabelle mit konkreten Werten lässt sich das nicht.

Sinnvoll ist eine Auswertung über mindestens sechs, besser zwölf Monate mit vier Kennzahlen: die durchschnittliche Laufzeit von der Einlieferung bis zur dokumentierten Zustellung, der Anteil der Sendungen über der zugesagten Frist, die Verlustquote, sowie die Anzahl ungelöster Supportanfragen mit ihrer jeweiligen Bearbeitungsdauer. Diese Daten stecken bereits im eigenen Versandsystem, sie müssen nur einmal exportiert und ausgewertet werden.

Zwischen strukturellen und temporären Problemen unterscheiden

Nicht jede Verzögerung ist dem Dienstleister anzulasten. Außergewöhnliche Wetterlagen, Streiks oder ein Feiertagsstau sind reale Ursachen, die sich in jeder Statistik zeigen. Wer diese Phasen selbst benennt und aus der Bewertung herausrechnet, wirkt im Gespräch deutlich glaubwürdiger als jemand, der pauschal alles kritisiert.

Entscheidend ist die Frage, ob nach Abzug solcher Sondereffekte ein dauerhafter Trend übrig bleibt. Genau dieser Trend ist das Verhandlungsargument. Wenn die Laufzeit über zwölf Monate hinweg kontinuierlich steigt, während die Preise ebenfalls steigen, ist das eine Verschlechterung des Preis-Leistungs-Verhältnisses, und darüber lässt sich sachlich verhandeln.

Was realistisch verhandelbar ist

Ein Vertriebsleiter kann in aller Regel nicht die Zustellqualität in Ihrer Region verbessern, das liegt außerhalb seines Einflusses. Verhandelbar sind dagegen andere Dinge, und genau darauf sollte das Gespräch zielen:

  • Konditionen: Nachlässe auf einzelne Zuschläge, etwa den Peak-Zuschlag, oder eine Anpassung der Mengenstaffel
  • Erreichbarkeit: ein benannter Ansprechpartner statt der allgemeinen Hotline, idealerweise mit direkter Durchwahl
  • Bearbeitungszusagen: eine feste Frist für die Klärung von Nachforschungsaufträgen und Schadensfällen
  • Abholzeiten: ein späterer Abholtermin verlängert Ihr eigenes Zeitfenster für die Auftragsbearbeitung erheblich
  • Schadensregulierung: eine klarere Regelung, wann Transportschäden ohne langwierige Einzelprüfung ersetzt werden

Der Abschluss entscheidet über den Nutzen

Am Ende eines solchen Gesprächs steht häufig eine allgemeine Zusage, sich zu kümmern. Damit lässt sich später nichts einfordern. Sinnvoll ist stattdessen die Vereinbarung konkreter, messbarer Ziele mit einem festen Nachverfolgungstermin, etwa: In den nächsten drei Monaten soll der Anteil der Sendungen über Frist unter einen bestimmten Wert sinken, Wiedervorlage in einem Quartal.

Halten Sie das Ergebnis anschließend selbst schriftlich fest und schicken Sie es als kurze Zusammenfassung per E-Mail an den Vertriebsleiter. Das ist keine Förmlichkeit, sondern schafft eine Bezugsgrundlage für das nächste Gespräch. Ohne diese Notiz beginnt jede Diskussion in einem Jahr wieder bei null.

Bleibt das Gespräch folgenlos und verfehlt der Dienstleister sein kommuniziertes Serviceniveau dauerhaft, steht Kunden zusätzlich der Weg über die zuständige Regulierungsbehörde offen. Für Postdienstleistungen führt die Bundesnetzagentur eine eigene Beschwerdestelle, die Eingaben von Geschäftskunden ebenfalls entgegennimmt.

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