Mehrere Händler berichten von einem beunruhigenden Phänomen: Sowohl in Google Shopping als auch in den organischen Suchergebnissen erscheinen unter dem eigenen Markennamen und mit eigenen Produktbildern plötzlich Links zu völlig fremden Shops.
Zwei Ursachen, die auseinandergehalten werden müssen
Die erste ist Brandbidding: Ein Wettbewerber bucht den eigenen Markennamen als Suchbegriff für seine Anzeigen. Das ist ärgerlich, aber in Deutschland grundsätzlich zulässig, solange die Anzeige selbst die Marke nicht im Text verwendet und keine Verwechslungsgefahr erzeugt.
Die zweite Ursache ist gravierender und erklärt das Auftauchen in den organischen Ergebnissen: Fremde Seiten übernehmen Produktbilder und Texte, teils vollständige Shopkopien. Das ist keine Grauzone, sondern eine Urheberrechts- und in aller Regel auch Markenrechtsverletzung.
Was gegen Bildübernahmen hilft
Für kopierte Inhalte gibt es ein wirksames Werkzeug: die Beschwerde wegen Urheberrechtsverletzung bei Google. Anders als die allgemeine Markenrechtsmeldung führt sie zur Entfernung der betroffenen Seite aus dem Index.
Erforderlich sind die genaue Angabe des eigenen Originalinhalts, die Adresse der rechtsverletzenden Seite und eine Erklärung zur Rechteinhaberschaft. Der Aufwand pro Meldung liegt bei wenigen Minuten, die Bearbeitung dauert typischerweise einige Tage.
Warum die Meldungen nie aufhören
Viele Betroffene berichten, dass sie mehrmals täglich melden müssen. Der Grund liegt im Geschäftsmodell der Gegenseite: Betrügerische Shops werden automatisiert erzeugt, und eine entfernte Domain wird binnen Stunden durch eine neue ersetzt.
Der Kampf gegen einzelne Kopien ist nicht zu gewinnen. Wirksamer ist, die eigene Marke so sichtbar zu machen, dass Kunden die Kopie als solche erkennen.
Aus der Praxis betroffener Händler
Die wirksameren Hebel
- Auf die eigene Marke bieten. Wer die Markensuche selbst mit einer Anzeige besetzt, verliert diesen Traffic nicht. Die Klickpreise auf den eigenen Markennamen sind in aller Regel sehr niedrig.
- Markenrechte eintragen lassen. Ohne eingetragene Marke sind die Meldewege bei Google und den Plattformen deutlich schwächer.
- Bilder mit Metadaten versehen. Sie erleichtern den Nachweis der Urheberschaft erheblich.
- Eigene Vertrauenssignale stärken. Klares Impressum, erreichbarer Service, verifizierte Bewertungen.
- Regelmäßig selbst suchen. Der eigene Markenname in Kombination mit Rabattbegriffen findet Kopien früh.
Wer eine vollständige Shopkopie entdeckt, findet ein strukturiertes Vorgehen im Beitrag zur Fake-Shop-Checkliste.
Wie Sie Kopien systematisch finden
Statt zufällig auf Kopien zu stoßen, lohnt sich ein fester Rhythmus. Einmal wöchentlich genügt: Suchen Sie nach Ihrem Markennamen in Kombination mit Begriffen wie Sale, Outlet, günstig oder Rabatt. Betrügerische Kopien arbeiten fast immer mit solchen Zusätzen, weil sie über den Preis locken.
Ergänzend hilft die Rückwärtssuche über ein Produktbild. Laden Sie eines Ihrer Produktfotos in eine Bilder-Rückwärtssuche und prüfen Sie, auf welchen Seiten es auftaucht. Das findet auch Kopien, die Ihren Markennamen gar nicht verwenden.
Was Sie dokumentieren sollten
Bevor Sie melden, sichern Sie den Zustand: ein Bildschirmfoto der rechtsverletzenden Seite mit sichtbarem Datum, die vollständige Adresse und die Angabe, welches Ihrer Originalbilder betroffen ist. Ohne diese Dokumentation lässt sich eine Meldung später nicht nachvollziehen, und bei wiederholten Verstößen desselben Betreibers ist genau diese Historie das stärkste Argument.