Ein Händler berichtet von einem unangenehmen Nebeneffekt der GPSR-Umsetzung bei Amazon: Die für die Produktsicherheitsverordnung hochgeladenen Fotos der eigenen, oft wenig ansehnlichen Verpackung erscheinen plötzlich in der regulären Bildergalerie des Produkts, sichtbar für jeden Kunden. Die Fotos waren eigentlich nur als Nachweis für die Behörden gedacht, nicht als Produktbild.
Wie es zu der Vermischung kommt
Die GPSR verlangt unter anderem den Nachweis, dass Warnhinweise und Herstellerangaben auf der Verpackung sichtbar angebracht sind. Viele Händler laden diese Nachweisfotos über denselben Bildmanager hoch, der auch für die regulären Produktbilder genutzt wird, teils mit eigenen Kennungen wie PS01 bis PS06 für die Positionsnummerierung. Technisch unterscheidet die Plattform an dieser Stelle nicht zuverlässig zwischen einem regulären Verkaufsbild und einem reinen Compliance-Nachweis, wenn beide über denselben Upload-Weg eingereicht werden.
Warum das mehr als ein optisches Problem ist
Neben der reinen Optik hat das Problem eine Konversionsseite. Kundinnen und Kunden bewerten ein Angebot auch anhand der Bildergalerie. Ein unvorteilhaftes Kartonfoto zwischen professionellen Produktbildern kann die Kaufentscheidung negativ beeinflussen, ohne dass der Verkäufer das beabsichtigt oder überhaupt bemerkt hat, bis jemand aktiv danach sucht.
Ich dachte, diese Fotos wären nur für die Akte gedacht und nicht für die Kundenansicht. Wir laden sie über den Bildmanager mit eigener Kennung hoch, trotzdem erscheinen sie jetzt am Produkt.
Kommentar eines Händlers zur unerwarteten Sichtbarkeit der Nachweisfotos
Was sich kurzfristig tun lässt
Der pragmatischste erste Schritt ist eine Prüfung der eigenen Bildreihenfolge im Listing-Manager. Nachweisfotos lassen sich häufig manuell aus der sichtbaren Galerie entfernen oder an das Ende der Reihenfolge verschieben, ohne die GPSR-Konformität zu gefährden, solange die Nachweise an anderer Stelle weiterhin hinterlegt bleiben. Zusätzlich lohnt sich eine Anfrage beim Verkäufer-Support mit der konkreten Bitte, den Compliance-Upload technisch vom Produktbilder-Upload zu trennen.
Was praktisch weiterhilft
- Bildreihenfolge im Listing regelmäßig prüfen. Ein Blick von außen auf das eigene Angebot deckt solche Vermischungen oft erst auf.
- Nachweisfotos nach Möglichkeit separat einreichen. Wo eine getrennte Upload-Funktion existiert, sollte sie statt des allgemeinen Bildmanagers genutzt werden.
- Eigene Kennungssystematik dokumentieren. Eine klare Benennung erleichtert es, im Zweifel schnell zu erkennen, welches Bild welchem Zweck dient.
- Bei wiederholtem Auftreten den Support kontaktieren. Ein Einzelfall lässt sich oft manuell korrigieren, ein systematisches Problem sollte gemeldet werden.